Somit erwiesen sich auch spätere, im deutschsprachigen Raum weit verbreitete Behauptungen, der Begriff sei eine Wortneuschöpfung, zusammengesetzt aus Well-Being und Fit-ness, als reine Erfindung. Trotzdem hält sich bis heute dieser Irrglaube, der stur und ohne Belege kolportiert wird, selbst in der aktuellen Fachliteratur. Wenngleich das Wort schon seit mehr als 350 Jahren Bestandteil der englischen Sprache ist, hat es doch seine besondere Bedeutung als Schlagwort einer internationalen Bewegung erst durch die konzeptionellen Arbeiten des amerikanischen Mediziners Dr. Halbert L. Dunn gewonnen. Ihm ging es darum, das Bewusstsein für ein anderes Verständnis von Gesundheit zu schaffen, als es das vorherrschende Verständnis im krankheitsfixierten Medizinsystem der USA, aber auch der übrigen westlichen Welt war und bis heute noch ist. Seine Vorstellungen referierte er in öffentlichen Vorträgen und es verbreitete sich in von ihm verfassten Schriften, unter anderem dem 1961 erstmals veröffentlichten Hauptwerk "High Level Wellness". Es dauerte einige Jahre, bis seine richtungsweisenden Grundideen von kritischen Querdenkern des Gesundheitswesens entdeckt, weiterentwickelt und in die Tat umgesetzt wurden. Das alles hatte seinen Ursprung definitiv nicht in Deutschland oder Österreich, sondern in den USA. Entspannung ist schön, aber sicher nicht das Ziel.

Wer Wellness hört, hat unweigerlich Bilder von Entspannung, Massagen, Saunalandschaften und Verwöhnurlaub im Kopf. Bunte Handtücher, Kerzen und aufeinander gestapelte Kieselsteine. Ist das wirklich Wellness? Wellness kann Entspannung bedeuten, aber es ist viel mehr. Es ist der Weg hin zu einem besseren Leben insgesamt, der sich durch einen entsprechenden Lebensstil bahnt.

Zwei der wichtigsten Pioniere und Gründungsväter der echten Wellnessbewegung sind: Dr. Donald B. Ardell und Dr. John W. Travis. Etwa zur gleichen Zeit entdeckten sie die Spuren, die Dr. Halbert L. Dunn hinterlassen hatte, jeweils auf unterschiedlichen Pfaden. Auf dem Global Wellness Summit 2014 in Marrakesch, also rund 40 Jahre später, wurden beide für ihre historischen und bis heute herausragenden Verdienste mit einem erstmals vergebenen Innovationspreis geehrt.


Medical Wellness ist, richtig verstanden, Lebensstilmedizin für Menschen, welche aufgrund ihrer Lebensweise gesundheitliche Beschwerden oder Krankheiten zu befürchten oder bereits entwickelt haben. In der Regel handelt es sich dabei um chronische Erkrankungen, die auch unter dem Überbegriff „Zivilisationskrankheiten“ zusammengefasst werden.

Mit Hilfe der evidenzbasierten Lebensstilmedizin lassen sich Krankheiten und Beschwerden wirksam behandeln. Der Hauptakteur ist dabei aber nicht ein Behandler, sondern der Betroffene selbst, der substanzielle und nachhaltige Korrekturen an seinem Lebensstil vollzieht. Medical Wellness ist also keine ärztliche Behandlung, sondern Verhaltensmedizin. Der Fokus besteht darin, die Änderung und Aufrechterhaltung der gesundheitsrelevanten Lebensweise ins Zentrum der Leistungen zu stellen. Die Besonderheit von Medical Wellness bzw. Lebensstil-Programmen gegenüber allgemeinen Wellness-Programmen besteht darin, dass sie gezielt im Zusammenhang mit Beschwerden und Erkrankungen eingesetzt werden, beispielsweise bei Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, vitaler Erschöpfung, Bluthochdruck, erhöhten Cholesterinwerten, starkem Übergewicht, Diabetes II, koronarer Herzkrankheit usw. Im weitesten Sinne umfasst Wellness alles, was uns Gesund macht und bis ins hohe Alter auch Gesund erhält.

Quellen:
[1] lebensstilmedizin.org
[2] Dean Orish, Revolution in der Herztherapie

[3] Das llness-Wellness Continuum